16.06.2026 Von L’Etivaz zum Lac Lioson
Dienstag, der Wecker schrillt in aller Herrgottsfrühe. Muss das sein? Ja es muss und wie! Es geht los mit unserer Wanderung.
In Olten war unser munteres Trüppchen schon komplett. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude und alle waren auf unsere Exkursion in die schöne Gegend der Waadtländer und Berner Alpen gespannt. So quasi die Fortsetzung der letztjährigen Tour. In L’Etivaz angekommen, durften wir uns mit einem Kaffee und Gipfeli für den weiteren Tag stärken.
Gemütlich liefen wir los. Der Bach, L’Eau Froide, begleitete uns mit seinem Murmeln und Gurgeln zu Beginn des Weges. Die Natur liess keine Wünsche offen. Ein herrliches Panorama, der Gesang der Vögel und die strahlende Sonne gesellten sich zu uns. Schon bald lagen einige Höhenmeter hinter uns und der vorgesehene Pausenplatz war erreicht. Die Sonne brannte aber schon heftig vom Himmel und so beschlossen wir, noch ein wenig weiterzuziehen und ein schattiges Plätzchen zu suchen. Eine halbe Stunde später, war der perfekte Ort gefunden.
Der Hunger und der Durst waren gestillt und weiter wandelten wir durch die herrliche Bergwelt. Vom eher breiten Wanderweg bog ein schmaler Pfad ab und schlängelte sich durch ein Meer von weissem Hahnenfuss, Le Fodéra entgegen. Nicht jeden Tag hat man das Vergnügen durch eine Blumenwiese zu laufen. Auf der Kuppe angekommen, eine Trinkpause und schon nahmen wir den kurzen, heftigen Abstieg unter die Füsse. Dann wieder ein reizvoller Waldweg. Unter duftenden Tannen, einem gemächlichen Auf und Ab näherten wir uns unserem Ziel. Die letzte Erhebung und der idyllisch gelegenen Lac de Lioson entfaltete vor uns seine Herrlichkeit. Im gleichnamigen Berghaus wurden wir von der Wirtin herzlich willkommen geheissen.
Der Wärme und dem Anstieg zollten wir mit einer durstigen Kehle Tribut. Mit Blick über den See und die sich auftürmenden Berge, machten wir es uns gemütlich. Bald schon versuchten einige von uns, Steinböcke zu erspähen. War das jetzt wirklich ein Tier oder ähnelte ein Felsbrocken nur einer Gämse? So richtig konnten wir dies nicht eruieren, denn der Feldstecher war zuhause geblieben.
Die Badesachen auspacken und eine Abkühlung im See suchen, war der Plan. Der Himmel bedeckte sich kontinuierlich und das Vorhaben, Baden im See, wurde dann bald verworfen. Nur eine taffe Frau wagte sich in das kalte Nass. Wie könnte es anders sein, unsere Leiterin Doris stellte sich dieser Mutprobe. Nach einer belebenden Dusche fühlten wir uns wieder zu weiteren «Schandtaten» bereit. Noch ein paar Blicke, diesmal mit Fernglas, in die umliegenden Gipfel. Bald machten sich einige Regentropfen bemerkbar und wir flüchteten in die heimelige Gaststube. Nach dem währschaften Nachtessen und einem Glas guten Weines, liessen wir unseren Tag ausklingen.
17.06.2026 Vom Lac Lioson zum Lac Retaud
Königsetappe. Frühmorgens stand der Aufstieg zum Pic Chaussy auf dem Programm. Ausgeruht und frisch gestärkt nahmen wir unseren 2. Tag in Angriff.
Froh noch etwas von der Frische des Morgens zu profitieren, stiegen wir in einer guten Pace Richtung Pic Chaussy. Während des Aufstiegs hielten wir immer wieder Ausschau, ob wir Wild beobachten können. Da und dort versteckte sich eine Gämse oder Steinbock in der für sie geschaffenen Umgebung. Zügig erklommen wir die 500 Hm. Unterwegs erfreuten wir uns an der fantastischen Landschaft und seltenen Pflanzen wie dem Seidelbast.
Ein letzter Blick zurück auf den schwindenden Lac Lioson und wir wandten uns dem höchsten Punkt, dem Pic Chaussy 2351 m, entgegen. Die letzten Meter brachten wir hinter uns und es eröffnete sich ein 360° Panorama. Welch wunderbare Aussicht. Unsere Augen schweiften über die umliegenden Berge bis zum Mont Blanc und bis ins Flachland. Ein erhabener Moment, den niemanden von uns kalt liess. Eine geraume Weile beobachteten wir die Flugkünste eines Milans, der um die Gipfel kreiste.
Vor uns lagen noch ein paar Stunden Wanderzeit. Zuerst luftig dem Grat entlang bis zum abschüssigen Abstieg durch die Lawinenverbauungen. Ein prächtiger Blumenteppich breitete sich vor uns aus. Wie heisst es so schön im Schellenursli-Lied: Schritt für Schritt de Bärg doruuf, Tritt für Tritt loh keine us… Anstatt doruuf gings halt bergab und so machten wir uns auf den knackigen Abstieg. Durch die Eisengerüste wurde für die Berggeher einfach einen Durchlass geschnitten. Mit der nötigen Konzentration, Vorsicht und unserem Motto, «ich gibe sicher ned uf», waren die 700 Hm Abstieg überhaupt kein Problem. Ein kurzer Mittagshalt mit bester Aussicht auf Diablerets Glacier 3000 und weiter gings im Takt unserem Ziel entgegen. An Alpbetrieben und Kuhherden vorbei, leuchtenden Alpwiesen mit seltenen Blumen, navigierte uns der Weg durch die wunderschöne Gegend. Das Thermometer stieg und der Schweiss floss in Strömen. Immer wieder waren kurze Trinkpausen nötig, um der Dehydrierung entgegenzuwirken. Gut, fanden wir immer wieder Brunnen und konnten die Trinkflaschen mit frischem Quellwasser füllen. Langsam sehnten wir uns dem Lac Reaut und dem wohlverdienten Abschlusstrunk entgegen.
Das letzte kurze Stück wurde auch noch bewältigt und das Tagesziel erreicht. Mary und Monika, sie schwebten tagsüber auf die Glacier 3000, stiessen beim Lac Retaud zu uns. Ebenfalls traf Claudia an diesem Abend zur Gruppe und begleitete uns auf dem Rest der Tour. Das obligate Bad im See durfte nicht fehlen und drei couragierte Frauen stürzten sich in den erquickenden Bergsee. Hungrig vertilgten wir das servierte Nachtessen und genossen einen guten Schluck Wein dazu. Zusammen verbrachten wir einen beschaulichen Abend. In der geselligen Runde genehmigten wir uns zum krönenden Abschluss einen Schlummer-Genepi.
18.06.2026 Vom Lac Retaud nach Gsteig bei Gstaad
Es versprach wieder ein extrem heisser Tag zu werden. Eine Besprechung der gewählten Route wurde nötig. Für das Walilghürli, mit nochmals 240 Hm und einer zusätzlichen Wanderzeit von eineinhalb Stunden fehlte uns die Motivation. Der gestrige strenge und heisse Tag steckte uns noch in den Knochen.
In den frischeren Morgenstunden nahmen wir den Aufstieg zum Col de Voré in Angriff. Unterwegs suchten und beobachteten wir ein paar majestätische Alpenbewohner. Nicht lange danach erreichten wir den Pass und dieser empfing uns mit leuchtend blauen Farbtupfern. Ein ganzer Teppich mit tiefblauem Enzian schmückte die Bergwiese.
Der prächtige Aussichtspunkt eröffnete uns einen Blick zurück in die vergletscherte Welt der Diablerets und vorwärts zu einem kleinen Bergseelein. Ein munteres Bächlein mäanderte durch die Alpweiden und wies den Weg auf der kleinen Hochebene zum Blattipass. Wie ist die Welt doch schön! Unten blinkte der Arnensee und oben weckte ein lichter Fichten- und Föhrenwald unsere Aufmerksamkeit. Über eine weitere Steilstufe erklommen wir durch Wald und Wiesen weitere Höhenmeter. Wie frisch geschneit erschien uns die satte Alpweide. Der weisse Hahnenfuss verbreitete sich wie ein dichtes Wolkenbild und dieser Anblick versüsste uns die letzten Anstiegsmeter. Auf dem Blattipass suchten wir ein schattiges Plätzchen für unser Mittagspicknick. Gehen wir Richtung Feutersoey oder ist es besser nach Gsteig abzusteigen? Diese Frage stand während des Essens im Raum. Doris entschied sich für Gsteig, denn diesen Weg säumte mehr Wald und versprach etwas Schatten.
Mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Walliser und Berner Alpen, schritten wir bergab dem Saanenland entgegen. Prächtige Alpweiden und urige Alphütten begleiteten uns auf dem Weiterkommen.
Nochmals volle Aufmerksamkeit auf dem schmalen Pfad und bald erreichten wir das Dorf Gsteig. Wie verabredet fuhr das Postauto vor und wir konnten uns gemütlich über den Col du Pillon nach Les Diablerets chauffieren lassen.
Ein Schluck Bier oder ähnliches und eine wohlige Dusche belebten unsere Lebensgeister neu. Das heimelige Dorf, Les Diablerets, lud uns zur Besichtigung und Entdeckungen ein. Es musste noch der letzte Proviant besorgt werden und einem erneuten Restaurantbesuch waren wir nicht abgeneigt. Aus der Abkühlung mit dem Sprung ins kalte Nass der Badi wurde leider nichts, sie hatte gar nicht offen.
Das vielseitige Bergdorf und das dazugehörige Skigebiet liegen auf 1200 m in den Waadtländer Alpen. Die Bahn auf Glacier 3000 bietet ganzjährig Zugang zu einem imponierenden Ausflugsziel. Die Attraktion Peak Walk (luftige Hängebrücke) bietet einigen Nervenkitzel.
Das feine Nachtessen und ein guter Tropfen Wein rundete den Tag ab. Im Schatten vor dem Hotel wurden noch einige Bänke zu einem gemütlichen Schwatz zusammengeschoben.
19.06.2026 Von Les Diablerets zum Col du Pillon
Entlang der La Grande Eau verliessen wir sehr gemächlich das Dorf zu unserer letzten Tagesetappe. Etwa 30 Minuten später fing das Steigen an. Durch dichten Wald strebten wir Schritt für Schritt die heutigen 500 Höhenmeter bis 1656 m empor. Froh um die schattigen Bäume, fiel uns der steile Anstieg relativ leicht. Beinahe auf dem Kulminationspunkt angekommen legten wir eine erste Rast ein. Dabei amüsierten wir uns an Kühen, die den Kopf neugierig aus der Stalltür streckten. Oder amüsierten sie sich sogar an uns?
Kraft sammeln für das kommende anspruchsvolle Teilstück. Trittsicherheit, eine kleine Kletterei aber guten Halt an Ketten wurde in Anspruch genommen. Gewohnt souverän führte uns unsere Wanderleiterin durch diese T3 Stellen. Alle meisterten diese mit Bravour. Bei Les Crosex erholten wir uns von dem Abenteuer und legten eine Pause ein.
Nun folgte nur noch Genusswandern, wie Doris dies ausdrückte. Ein sanftes Auf und Ab begleitet uns auf dem Rest der Wanderung. Das Panorama der anderen Talseite liess uns in Erinnerungen schwelgen. Sehr genau zeigte sich die durchwanderte Route, gekrönt durch den bezwungenen Pic Chaussy. Schon lebten vergangene Eindrücke auf. Plötzlich vernahmen wir ein lautes Tosen und Brausen. Die Cascade du Dar stürzte sich die Felsen hinunter. Über eine kleine Hängebrücke überquerten wir das tobende Gewässer. Nicht allen behagte diese «Gwagglibrugg». Nicht mehr weit und wir erreichten den Col du Pillon.
Im Restaurant belohnten wir uns mit Getränken und ein paar Kleinigkeiten zu Essen. Bald parkierte unser Postauto an der Haltestelle. Es rollte uns wieder zurück ins Berner Oberland, nach Gstaad. Kaum haben wir im Zug Platz genommen, fielen schon die ersten Regentropfen. Wir glaubten es kaum, sogar das Wetter hatte Doris im Griff. Jetzt kann der Regen kommen, wir sind ja im Trockenen. Müde, aber glücklich suchten wir die für uns günstigsten Zugverbindungen. Die über die Schweiz niedergegangenen Gewitter nötigten uns, noch verschiedene Anpassungen vorzunehmen. Mit vielen schönen Erinnerungen und faszinierenden Erlebnissen im Rucksack, kehrten alle nachhause zurück
Diese vier Tage werden noch lange in unseren Gedanken nachhallen. Es war einfach schön.
Unserer Tourenleiterin, Doris Gasser und ihrem Mann Beni, gebührt für die tadellose Organisation und die umsichtige Begleitung ein ganz spezieller Dank. Wir sind gerne nächstes Jahr wieder mit von der Partie.
Ich möchte allen Danken, ihr wart eine ganz tolle Gruppe. Es hat grossen Spass gemacht euch durch diese wunderschöne Landschaft zu führen, Doris
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