Wildhornhütte – Schnidejoch – Wildstrubelhütte – Cabannes des Audannes – Anzere

Detailinformationen

Datum: Do, 13. Aug. 2026
Aktivität: Wandern
Schwierigkeit: T3
Leitung: Thomas Suter
Tourauschreibung:
Wildhornhütte – Schnidejoch – Wildstrubelhütte – Cabannes des Audannes - Anzere

Wildhornhütte – Schnidejoch – Wildstrubelhütte – Cabannes des Audannes – Anzere

Tourenbericht

  1. Tag Lenk – Betelberg – Gryden – Tungelpass – Wildhornhütte

Pünktlich um 10.25 Uhr sind 12 SAC’ler in der Lenk im Simmental ausgestiegen und machten sich auf den Weg Richtung Talstation der Betelbergbahnen. Einige erwischten eine in einen Geissenstall umgebaute Gondel. Zum Glück stank es aber nicht so wie in einem Geissenstall….

Nach dem obligaten Startkaffee, natürlich mit Nussgipfel, ging es Richtung Gryden los. Bei den Gryden handelt es sich um eine aussergewöhnliche Landschaft mit kraterartigen, bizarren Gesteinsformationen. Dort machten wir dann auch bereits unseren Mittagshalt. Weiter ging es Richtung Stubenipass zum Tungelpass. Dort begann dann die Steigung Richtung Wildhornhütte welche sich aus 2302 MüM befindet. Nach einem gemütlichen Nachmittag und guten Nachtessen erfreuten wir uns am Spiel von jungen Füchsen die ganz in der Nähe ihren Bau hatten. Und natürlich wurde ausgiebig gejasst.

Rund 11 Kilometer, Aufwärts 640, Abwärts 275, rund 4 Stunden T3

 

2. Tag Wildhornhütte – Schnidejoch – Lac de Téné – Lac Plan des Roses – Rawilpass – Wildstrubelhütte

Was früher Gletscher war ist heute viel Stein. Auf der Moräne des Tungelgletschers sind wir Richtung Schnidejoch 2756 MüM hochgestiegen. Mit frisch gestärkten Beinen ging das ganz flott! Oben auf dem Schnidejoch hielten wir Ausschau nach dem Tungelgletscher der sich in den letzten Jahren massiv zurückgebildet hat. Früher konnte man praktisch alles auf Eis auf das Wildhorn hochsteigen – die Zeiten sind vorbei.

Der Abstieg ab dem Schnidejoch war etwas heikel. In Folge der langen Trockenheit war der Weg staubtrocken und ziemlich rutschig und rechterhand neben dem Weg ging es doch gehörig runter. Alles gut gegangen und so konnten wir den Lac de Téné von oben betrachten – im Wissen, dass wir am Folgetag dort unten Zmittag haben werden.

Weiter ging es abwärts über zwei Karstfelder. Abwärts sind diese Felder doch recht anspruchsvoll und die scharfen Kalksteine verzeihen keinen Fehlschritt. Aber sie geben besten Halt. Beim Stehenbleiben konnten wir doch einen Blick auf den Lac de Tseuzier und die Walliser 4000er werfen.

Weiter ging es sanft über die Ebene Richtung Rawilpass. Knackig ging es dann hoch Richtung Wildstrubelhütte auf 2788  MüM wo wir uns einen wohlverdienten Apero genehmigten. Die Wildstrubelhütte ist eigentlich bekannt für einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Die Sonne ging sehr wohl unter – aber leider hinter den Wolken…. Die Zeit vertrieben wir uns dann mit -was wohl- richtig – jassen.

Rund 11 Kilometer, Aufwärts 1050, Abwärts 570, 4 1/2 Stunden, T3

 

3. Tag Wildstrubelhütte – Rawilpass – Lac de Téné – Col des Eaux Frodes 2645 MüM – Cab. Audannes 2506 MüM

Einen Teil des gestrigen Weges mussten wir heute in die andere Richtung erwandern. Jeder wusste also, was ihn erwartet – und trotzdem war die Perpektive total anders. Der Abstieg von der Wildstrubelhütte um Rawilpass war angenehm – auf dem Weg über die Ebene konnten wir den Ausblick auf das Wildhorn geniessen – aufwärts waren die beiden Karstfelder wesentlich einfacher – und schon waren wir am Lac de Téné wo wir das Mittagessen geniessen konnten.

Wir wussten, ein grösseres Karstfeld lag noch vor uns. Gemäss Karte und Bemalung Rot-Weiss. Also ein Bergwanderweg. Nun, als wir dann im Karst waren merkten wir bald, dass da die Farbe nicht stimmte. Blau-Weiss wäre richtig. Im SAC-Portal ist der Weg auch als T4 aufgeführt – Irgendjemand hat wohl Druck gemacht, dass der Weg Rot-Weiss bezeichnet wird – den aus Erfahrung – Blau-Weiss hält halt schon den einen oder anderen ab, eine Hütte zu besuchen – daher ist es wohl klar, wer hier die Rot-Weiss-Markierung durchgesetzt hat.

Nun, wir bergerfahrenen Lindenbergler haben den Weg souverän gemeistert – auch der einsetzende Regen haben wir locker weggesteckt. Für den Aufstieg zum Col des Eaux Froides 2646 MüM waren wir froh, dass die Luft doch etwas abgekühlt war. Oben auf dem Col angekommen hatten wir den Ueberblick über die wunderbare „Audannes“ mit Bergsee, Karst, Geröllfelder und eben der Cabanne die erst vor rund 25 Jahren von einer Genossenschaft mit 1200 Mitgliedern erstellt wurde. Die Lage ist wunderbar – leider aber die Gastfreundschaft der Hausmeisterin nicht, die anderen Hüttengehilfen waren flott. Die private Hütte hat nicht den Standard einer SAC-Hütte. Ich schreibe hier keine weiteren Details!

Schnell entdeckten wir eine grosse Herde von stolzen Steinböcken die auf der anderen Bergseite lagerten. Gegen Abend machten sie sich auf den Weg und kamen sehr nahe zur Cabanne (auch ohne Salz kammen die Tier nahe an die Hütte). Die Tiere waren so eindrücklich, dass sogar die Jassrunden zum Fotoapparat (resp. Handy) gegriffen haben.

Richtig – es wurde natürlich wieder ausgiebig gejasst – bis die Hausmeisterin ohne Ankündigung gefunden hat – Licht weg – fertig jassen… denkste, für was hat das Handy Licht….

Rund 11 Kilometer Aufwärts 640, Abwärts 920 5 Stunden T3 & T4

 

 

 

 

 

4. Tag Cab. Audannes – Les Rousses – Bisse des Sion – Bisse d’Ayent – Anzere – Freiamt

Vor sieben gibt es in dieser Cabanne keinen Kaffee – auch wenn der Tourenleiter sich gewohnt ist, vor dem Frühstück in Ruhe einen Kaffee zu trinken um den Tag nochmals vorzubereiten. Um sieben Uhr gibt es dann für 40 Leute einen Krug… Na ja, die Hütte lebt von der erstklassigen Lage…

Ueber leichte Karstfelder geht es dann runter Richtung Les Rousses. 1946, nach zwei heftigen Erdbeben, lösten sich vom Rawilhorn rund 4 – 5 Mio Kubikmeter Gestein welches dann im Tal eine total neue und sehr eindrückliche Landschaft bildeten. Die Vegetation nimmt nach 80 Jahren langsam wieder Besitz von der Steinwüste.

Weiter ging es zur Talstation der Sesselbahn les Rousses wo auch die Bisse de Sion durchführt. Wir folgten dieser Bissse aus dem 15. Jahrhundert. Aeusserst eindrücklich, was da unsere Vorfahren von Hand und ohne Hilfe von Maschinen gebaut hatten.

Nach der Bisse de Sion stiegen wir ab zur 200 Meter tiefer gelegenen Bisse d’Ayent. Diese Bisse kennen alle die schon eine 100er Note in der Hand gehalten haben. Die Bisse führt bis 1840 entlanng einer Felswand und diese Passage ist auf der Banknote abgebildet. Es ist kaum vorstellbar, was da vor über 500 Jahren gebaut wurde.

Und schon sind wir in Anzere, dem Ende unserer 4-Tages-Tour angekommen. Zügig ging es wieder Richtung Freiamt.

13 Kilometer, Abwärts 1200, Aufwärts 150, 4 1/2 Stunden, T3

4 interessante Tagen mit interessanten Tourenteilnehmern in einem spannenden Gebiet. Ich danke allen!

Thomas Suter

 


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