Von Jaun nach Gstaad

Detailinformationen

Datum: Di, 17. Jun. 2025
Gruppe: Alle
Aktivität: Wandern
Schwierigkeit: T3
Leitung: Doris Gasser
Tourauschreibung:
Von Jaun nach Gstaad

Von Jaun nach Gstaad

Tourenbericht

Von Jaun nach Gstaad, 4-Tagestour vom 17.06.2025 bis 20.06.2025

Dienstag, 17.06.2025 Jaun – Wolfs Ort (Col de Loup) – Chalet du Soldat

Neun topmotivierte Frauen und drei ebenso motivierte Männer trafen sich für die 4-Tageswanderung. Die Vorfreude stand allen ins Gesicht geschrieben. Wettertechnisch wurde uns viel Sonnenschein und hohe Temperaturen prognostiziert. Die Landschaft versprach einige abwechslungsreiche Tage. Die Voralpen der Kantone Freiburg, Waadt und Bern waren nicht allen bekannt. Der Beginn war schon luftig. Mit der Sesselbahn schwebten wir von Jaun bis Musersbergli. Nach dem belebenden Koffeinkick, sprich Startkaffee, und etwas Seelennahrung sind wir in unser Abenteuer gestartet. Nach den ersten Schritten spürte sich der Köper im Wandermodus und Tritt für Tritt gings voran. Schon nach den ersten Metern leuchteten uns die Alpenblumen in den schönsten Farben und Formen entgegen. Welch ein Anblick.

Nach einem kurzen Abstieg wanderte die Gruppe über Stock und Stein, durch Wiesen und Wald nach Grat hinauf. Nach einem kurzen Trinkhalt führte uns der Weg weiter entlang der Südseite der Gastlosen. Die imposante Bergkette wird auch die Dolomiten der Schweiz genannt. Ein Paradies für Wanderer und Kletterer. Ebensolche haben wir weit oben in den Felsen entdeckt. Auf der anderen Seite, über die Täler schweifte unser Blick über die Berner Alpen. Weit hinten erspähten wir Eiger, Mönch und Jungfrau. Weiter schwang unser Blick über den Wildstrubel, das Wildhorn und weitere Berggipfel. Wer die genauen Angaben wissen wollte, orientierte sich mittels PeakFinder.

Im kühlen Wald nahmen wir unser Picknick ein und sammelten Kräfte für den Weiterweg. Immer vorwärts strebten wir dem höchsten Punkt dieses Tages, dem Wolfs Ort (Col du Loup), entgegen. Ein kurzer, aber steiler Aufstieg und wir haben den Kulminationspunkt für diesen Tag erreicht. Der Wegweiser zeigte uns die Richtung zum Chalet du Soldat mit 30 min. Wanderzeit an. Aber aufgepasst! So einfach geht es nun doch nicht. Auf uns wartete ein knackiger Abstieg in Felsen und Geröll. Wandertechnisch das anspruchsvollste Teilstück der ganzen Tour. Souverän meisterten alle den Abstieg und zufrieden erreichten wir unser Tagesziel.

Draussen, ein lauer Sommerabend umfing uns, stillten wir beim Nachtessen unseren Hunger. Gemütlich liessen wir den Abend ausklingen und bewunderten die immer röter werdenden Farbschattierung der vor uns aufragenden Felsen. Das Chalet du Soldat wurde auf Initiation von Paul Wolf errichtet. Wolf entdeckte erhebliche Lücken im alpinen Sommer- und Wintertraining seiner Truppen. Um Abhilfe zu schaffen wollte er ein Ausbildungszentrum errichten und eine Heimatbasis schaffen. Später sollte das Chalet ein Ort zur Erholung für die Soldaten, ihren Familien und zu guter Letzt ein Restaurationsbetrieb wurde.

 

Mittwoch, 18.06.2025 Chalet du Soldat – La Gueyere – Cabane de Marinde

Am frühen Morgen auf der Terrasse konnten wir uns anhand der Aussicht orientieren, wohin uns der weitere Weg führen wird. Ein wunderschöner Weg, Doris betitelte ihn im Laufe des Morgens als abenteuerlich, zog sich über Hintersattel und Schattenhalb Richtung La Gueyere. Durch eine prächtige Alpenflora, Felsformationen und lichte Waldstücke wandelten wir in der Morgenfrische unseren weiteren Zielen entgegen. Unterwegs begegneten wir typischen Freiburger Alphütten mit den wunderschön verzierten Schindelfassaden, Schindeldächern und dem eigenartig geformten Kamin. Die Erbauer dieser Berghütten waren Meister Ihres Faches.

Angekommen auf La Gueyere lud uns eine schattenspendende Hütte zur Mittagsrast ein. Es wurde wärmer und wärmer und ein kühler Ort kam uns gerade recht. Weit in der Ferne konnten wir unser heutiges Etappenziel erspähen. Nach einem ausgiebigen Mittagshalt rüsteten wir uns zum Aufbruch. Der schmale Pfad lotste uns hinab in den Talgrund. Ein Kaffee oder ein kühlendes Getränk wäre doch jetzt gewünscht. Eine Tafel unterwegs pries die Buvette Le Sori an. Dorthin gehen wir! Wir fanden weit und breit keine Gaststube und mussten unsere Gelüste begraben. Es wäre zu schön gewesen. Darum wappneten wir uns zum Aufstieg zur Cabane des Marindes. Nach ca. eineinhalb Stunden sollten wir in der SAC-Hütte ankommen. Wir sammelten unsere Reserven und nahmen den wiederum wunderschönen Weg unter die Füsse. Unterwegs wurden schon Steinböcke und Gämsen gesichtet. Nach und nach sehnten wir uns der Ankunft entgegen. Glücklich erreichten wir die Hütte. Der Durst konnte gelöscht werden, heisse Füsse im Brunnen gekühlt und Tische und Bänke zum Ausruhen waren uns ebenfalls willkommen. Nach einem wohl eiskalten Bad im Bach oder einer ausgiebigen Körperreinigung im Waschraum fühlten wir uns wie neu geboren. Auf der Terrasse erwarte uns ein, von Therese gespendeter, Apero. Mit Genuss probierten wir die hütteneigene Wurst und taten uns an dem Weisswein gütlich. Eine sensationelle Bergwelt, eine großartige Gruppe, eine gemütliche Runde und unterhalb der Cabane eine seelenruhig grasende Gämse. Was begehrt das Herz noch mehr.

Bald schon stellten wir unsere Kochkünste unter Beweis. Das Nachtessen mussten wir selbst zubereiten. Aus den mitgebrachten Zutaten, Jede und Jeder hatten etwas mitgetragen, wurde ein Menu gezaubert. Alle halfen mit und nach nicht allzu langer Zeit durften wir an den Tisch sitzen. Die Suppe, das Risotto und vor allem das «Erdbeeridessert» mundete allen. Mit Geplauder und viel Gelächter beendeten wir später die gemütliche Runde.

 

Donnerstag, 19.06.2025 entlang der Dents des Bimis – hinunter nach Château-d’Oe

Schon um 06.00 früh war Tagwache. Vor dem Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Vanil Noir. Kurz hinter Hütte grasten friedlich zwei Gämsen. Unsere Hoffnung war, noch einigem Steinwild zu begegnen. Zwei Steinböcke querten weit oben den Hang des Vanil. Leider zu weit weg, um diese majestätischen Tiere in voller Pracht zu erleben. Doris war vor zwei Jahren zur selben Jahreszeit mit Agnes Schmid am Rekognoszieren. Sie trafen ein paar der eindrücklichen Gesellen in nächster Nähe an.

Im Gedenken an Agnes schichteten wir ein «Steinmandli» auf, geschmückt mit Alpenblumen.

Zurück in der Hütte wartete auf uns das Zmorge. Die neue Etappe verlief wieder ein kurzes Stück bergab. Bei der Weggabelung schlugen wir den Weg Richtung Château-d’Oex ein.
Ein heisser, aber eindrücklicher Tag sollte uns erwarten. Die Natur beschenkte uns mit ihrer ganzen Vielfalt. Ein prächtiges Panorama und eine aussergewöhnliche Alpenflora begehrten unsere Aufmerksamkeit. Immer wieder wurden seltene Pflanzen und Blüten gesichtet. Wie hiess doch dieses Gewächs nochmal? Das habe ich noch nie gesehen. So lautete der allgemeine Tenor. Wir erfreuten uns an bunten Wiesen, Vögeln und Tieren. Unsere Hobbyornithologinnen und Botanikerinnen teilten gerne ihre Fachkenntnisse mit uns. Welcher Vogel hat jetzt gerade gezwitschert? Eine wunderbare Gelegenheit das Wissen zu erweitern oder aufzufrischen. Gemächlich setzten wir unsere Schritte entlang Les Bimis weiter. Ab der Alp Doréna nahmen wir den 1000 Höhenmeter langen Abstieg in Angriff. Dank unserer umsichtigen Tourenleiterin machten wir immer wieder an schattigen Plätzchen halt, um unseren Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot zu bringen. Alle waren froh, als das Örtchen Château-d’Oex in Sichtweite war. Auf dem Weg bis zu unserem Hotel spürten wir nochmals die Kraft der Sonne.

Eine entspannende Dusche und die Beine hochlagern war allen willkommen. Um 18.00 Uhr erwartete uns in der idyllischen Gartenwirtschaft ein gespendeter Apero und wir liessen den Tag Revue passieren. Das danach servierte Nachtessen war vorzüglich. Bei einigen machte sich eine gewisse Bettschwere breit und einem guten Bett war niemand abgeneigt. In der Gemeinde Château-d’Oex, ein pittoresker Ort, findet man verschiedene Handwerke, wie die Kunst des Scherenschnitts. Ausserdem ist das Internationale Ballonfestival weit über die Grenzen bekannt.

 

Freitag, 20.06.2025 L’Etivaz – Col de Jable – Wilde Bode – Chalberhöni

Die längste Etappe auf unserer 4-Tagestour. Das Postauto fuhr uns am nächsten Morgen nach L’Etivaz. Wer vorher einige Höhenmeter abgestiegen ist, muss diese natürlich wieder hinauf. Dank dem schattigen Wald und dem frühen Morgen fiel uns, der zum Teil steile Aufstieg, nicht allzu schwer. Einen Fuss vor den anderen und Meter um Meter gings bergauf. Die Brunnen der Alphütten spendeten uns immer etwas Kühle. Durch farbenprächtige Bergwiesen auf denen Enzian, Knabenkrautorchideen, Graslilien, Männertreu und viele seltene Pflanzen blühten, setzten wir unseren Weg fort hinauf zum Col de Jable. Den Himmel bevölkerten Raub- und Singvögel. Ein emsiges Treiben oben und unten. Angekommen auf dem Pass, dem heutigen höchsten Punkt, eröffnete sich uns ein herrliches Panorama. Das alles war perfekt für den Mittagshalt. Das Sandwich auspacken und die Aussicht geniessen war im Sinne aller. Nichts ahnend verspeisten wir unsere mitgebrachten Fressalien. Plötzlich erhob sich ein Schatten von rechts und ein Bartgeier, in seiner eindrucksvollen Grösse, segelte ganz nah über den Pass. Von oben schauend verfolgten wir das kurze Schauspiel. Ein Magic Moment, da waren wir uns alle einig.
Der letzte Teil unserer Reise wartete auf uns. Auf dem Weg durch eindrucksvolle Berglandschaften liessen wir die Alpweiden hinter uns und stiegen Richtung Wilde Bode und zur Chalberhöni hinab.

Nach einem strengen, aber eindrucksvollen Tag erreichten wir unser Ziel. Die Wirtin des Restaurant Waldmatt erwartete uns bereits mit Speis und Trank. Sie habe extra noch gebacken, um uns gebührend bewirten zu können. Die köstliche Rhabarberwähe mundete den meisten und ein guter Espresso tat sein Übriges dazu. Satt und froh um die Pause, stiegen wir in das bestellte Taxi. Ich glaube alle waren froh, nicht noch nach Saanen hinab laufen zu müssen.
Im Montreux-Oberland-Express ergatterten wir Plätze im Nostalgiewagen und freuten uns über die bequemen Sitze bis Zweisimmen. Glücklich, zufrieden und voll von überwältigenden Eindrücken kehrten wir nachhause in den Alltag zurück. Die vier Tage waren traumhaft schön und wir alle nahmen viele Bilder und Impressionen in unseren Herzen mit.

Liebe Doris, unseren herzlichsten Dank für die perfekte Organisation. Wir wissen, wie schwierig es sich manchmal gestaltete und wie viele Mails und Telefonate dazu nötig waren. Du verdienst unseren vollen Respekt.
Herzlichen Dank an Therese für die Aperos.
Liebe Monika, dir vielen Dank für den wunderbaren Tourenbericht.

 


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